USG e.V.

 

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"Kultur beschreibt die Art und Weise, wie der Mensch sein Leben gestaltet. Dazu gehört eine Geschichte mit der er bewusst umgehen kann. Dazu gehört ferner sein Streben nach einem sinnvollen Leben. Und dazu gehört, dass ein solches Leben auf sehr verschiedene Weise realisiert werden kann, denen unterschiedliche Werte- und Normensysteme zugrunde liegen können. Innerhalb seiner kulturellen Existenzweise haben wir vielfältige Zugangsweisen zur Welt entwickelt: ästhetische und wissenschaftliche, emotionale und kognitive, praktische und theoretische, rationale und spirituelle Formen. Immer wieder wird neu gestaltet und reflektiert. Dies gilt sowohl für den Einzelnen als auch für Gruppen von Menschen. In diesem weiten Verständnis reicht Kultur von künstlerischer Produktion bis zur alltäglichen Lebensgestaltung. Sie bezieht Wahrnehmungs-, Handlungs- und symbolische Kommunikationsformen mit ein.

Die USG e.V. nimmt sich der Aufgabe an, für die Anerkennung dieser Vielfalt und Pluralität von Kultur in Niederbayern am Dreiländereck D-CZ-A zu sorgen.

Für die Bewältigung anstehender Prozesse im gesellschaftlichen Wandel, insbesondere im ehemaligen Grenzlandgebiet am Dreiländereck D-CZ-A ist der praktische Umgang mit den Künsten, ist der kreative Gebrauch von Medien, ist Spiel usw. gleichermaßen von entscheidender Bedeutung. Kulturelle Bildung, verstanden als Allgemeinbildung, ist die Befähigung des einzelnen Menschen und damit auch einzelner Szenen und Kulturräumen, die komplexen gesellschaftlichen Veränderungen begreifen und mitgestalten zu können. Vor allem der Wandel der Arbeitsgesellschaft, die Entwicklungen der Informations- und Kommunikationstechnologien, die Globalisierungsprozesse und die Ökonomisierung des gesamten Lebens fordern ein verstärktes bildungspolitisches Engagement, das auch die kulturelle Bildung entschieden mit einbeziehen muss."


Die USG als Impulsgeberin

Es geht also im Rahmen von Vernetzung auch um die Entwicklung eines gemeinsamen Wertesystems.
Mit herkömmlicher Bildung, verstanden als reine Wissensvermittlung oder intellektuellen Standesdünkel hat die Jugend- & Kulturarbeit bzw. kulturelle Bildungsarbeit der USG nichts zu tun, ja es steht sogar in vielen Punkten in klarem Kontrast dazu. Der Jugendkultur-Verband will vielmehr in immer neuen Situationen und Gesprächen einen Weg zum Selbsterwerb einer Wert-Gewissheit ebnen, ein sinnliches Empfinden, welches individuell heranwächst und sich aus sich selbst heraus entfaltet, zugleich aber objektive Züge annimmt, da sich die Entfaltung der Individualität trifft und deckt mit der entsprechenden parallelen Erfahrung anderer, die ebenfalls ihren eigenen Reifungsprozess vollzogen haben.

Die USG setzt mit dieser Einsicht einen ganz konzentrierten Impuls für die Jugend- als auch Bildungsarbeit. Den Impuls nämlich, selbst auf eigene Beine zu kommen und fähig zu werden, eigene Werte nicht nur als Meinung oder Weltanschauung neu zu definieren, sondern selbst ganz praktisch als Kind, Jugendlicher oder in Form einer Gruppe und Initiative zu leben.

Die USG als Inspirationsgeberin
Die Jugendinitiativen und jungen Künstler finden in der USG Vorgegebenes vor, das sie betrachten und von dem sie lernen können. Aber dieser ausgelöste Lernprozess ist nicht ein Nachahmen und erzwungenes Sich-Einfügen in herrschende Vorstellungen, sondern ein Sich-Inspirieren-Lassen durch Beispiele. Besondere Leistungen aus vergangenen Projekten und anderen Gruppen sollen nicht erdrücken und einengen, sondern Mut machen und das Feld der Möglichkeiten öffnen. An ihnen lässt sich der eigene Blick schärfen und ein tieferes Verständnis entwickeln. Bei alldem geht es darum, der Jugendkultur in seinen vielfältigen Ausdrucksformen erst recht zur eigenen Urteilsfähigkeit zu verhelfen, ihn nicht nur an seinem Verstand, sondern auch an seinem Herzen, seinem Gefühl, seiner Intuition anzusprechen und dort etwas zum "Klingen" zu bringen. Dieses Klingen könnte Vertrauen sein - Vertrauen als Basis eines Netzes.

Vernetzung geht nicht von heute auf morgen…
Daher ist im Prozess der Vernetzung Behutsamkeit und Geduld notwendig. Die USG atmet diese gelassene und coole, äußerst wohltuende Ruhe und Langmut, bei der jeder sich Zeit nehmen darf, niemals gedrängt oder genötigt wird, sonder auch einmal nur beobachten und die Eindrücke rekapitulieren darf. Was geschieht, ist ähnlich wie das, was ein Förster im Bayerischen Wald beim Wachsen eines Baumes feststellt. Dieser Wachstumsprozess, der auch deshalb so beeindruckend ist, weil es unser kurzfristiges, auf schnelle Effekte begieriges Warten transzendiert und Ergebnisse zeitigt, die unsere Vorstellungen sprengen.

Was der Förster bei seinem Wald beobachten kann, findet sich auch bei Jugendkulturinitiativen: Etwas entsteht, das nur mit dem Wort "Wunder" zu kennzeichnen ist, weil sich wie aus dem Nichts Wert und Tiefe manifestieren, etwas also, das nicht aus bereits Bekanntem und Vorhandenem logisch abzuleiten ist.
Wie der Wald, ist auch der Mensch ein Wunder, und kein geringeres. Auch hier entsteht etwas, das kausal nicht herzuleiten ist. Und das, wenn man es nur offen, ruhig und mit frischen, urteilsfreien Augen betrachtet, der Größe und Form eines Baumes ähnelt: als Essenz des Wesens, die es nur so gibt, nur hier, nur in diesem einen Menschen, dieser einen Initiative. Dies gilt es zu "förstern und zu Fördern".

Gemeinsamkeiten der Kulturräume von Jugendlichen
Es gibt also im kulturellen Leben von jungen Menschen zweierlei Natur: die äußere als biologische Umgebung, und die innere als Sehen und Streben des Gemüts. Und es gibt zweierlei Arten von Kunst: die äußere in Form des kulturellen Ausdrucks, und die innere als Bildung anhand von künstlerischen Arbeitens.

Sowohl Natur als auch Kunst sind wiederum nur zwei Aspekte ein und derselben Sache, sie verschmelzen zu einer Einheit in der Entfaltung dessen, was im Menschen angelegt ist. Kunst und Natur stellen keinen Widerspruch dar, sondern sind die zwei unverzichtbaren Seiten einer auf Ganzheit angelegten pädagogischen Synthese. Indem der sich entwickelnde Mensch diese Erweiterung und Reifung erlebt, beginnt er, in sich selbst einen harmonisch ruhenden Pol zu bilden, eine Wertinstanz, eine Autorität nicht kraft Macht und Intrige, sondern kraft Lebenserfahrung und Verständnis. Dieses Verständnis ist nicht etwas, das ihm angehört, sondern er ist es selbst: das Verständnis und er selbst sind eins.

Die entwickelte Vision der USG gleicht ein bisschen dem östlichen Ideal der Selbstverwirklichung als Selbsterkenntnis, indem sie dem, was im Einzelnen ursächlich und authentisch angelegt ist, absolute Priorität einräumt. Der Einzelne darf nicht zum Vehikel gesellschaftlicher Interessen verkümmern. Die in ihm selbst gefundene Wertinstanz ist das Wesentlichste und Wichtigste, aus dem sich alles andere ergeben mag - auch gesellschaftliche Wertbegriffe und Wertorientierungen.
Sie unterscheidet sich jedoch von einem nur auf persönliche Selbsterfahrung gerichteten Verständnis darin, daß sie der Kultur einen wichtigen Platz einräumt. Die Kultur ist die wichtigste Lehrerin, ihre Rolle ähnelt beinahe der einer spirituellen Schule. Aber die Kultur ist andererseits auch Mittel und nicht Selbstzweck, nämlich Hilfsmittel zur weiteren Schulung, weiteren Entwicklung. Sie befruchtet und sie wird befruchtet. Zwischen ihr und dem Lernenden findet ein lebendiges Zusammenspiel statt: Sie bietet einen Kontext, ein Gesamt-Umfeld, in dem er seine Werte erst wirklich ausprägen und sein gewonnenes Verständnis nicht nur einbringen, sondern auch grenzenlos weiterbilden kann.

Diese Vorstellungen könnten zu utopisch sein? Wir leben heute in einer Zeit, in der sich das Schwergewicht in Richtung auf Verwertung des Menschen anstatt auf seine Entfaltung verlagert hat. Man hat daher heute keine Zeit mehr für so ein ganzheitliches kulturelles Bildungssystem.

Das kann nicht stimmen. Wenn heute Menschen einen Großteil ihrer Freizeit damit ausfüllen, Sport- und Unterhaltungssendungen anzusehen, wenn nicht gar Werbung, so entpuppt sich der angebliche Zeitmangel als billiger Vorwand. Man will einfach nicht. Aber vielleicht deshalb, weil man meint, man müßte? Muß man nicht immer wieder massenhaft Daten und Fakten schlucken, müssen nicht Kinder die fragwürdigsten Erziehungsanstrengungen über sich ergehen lassen, die darin bestehen, jeden natürlichen Lernimpuls zu ersticken und durch ein Vollstopfen mit Dingen zu ersetzen, die im fraglichen Zeitpunkt keineswegs nötig sind? Da wird immer auf die "Zukunft" hin "erzogen". Nur existiert diese "Zukunft" noch gar nicht. Die "Zukunft", in der das alles gebraucht wird, was da gegen jeden Appetit hineingezwängt wurde und höchstwahrscheinlich längst wieder vergessen worden ist, diese Zukunft entpuppt sich dann als Arbeitlosigkeit, als Ideenlosigkeit der Wirtschaft, als Ideenlosigkeit und Verantwortungslosigkeit der Politiker, als völlige Rat- und Perspektivlosigkeit unserer Gesellschaft.
Die USG will im Gegensatz dazu Eigeninitiative fördern, eigene Erfahrungen und damit einhergehend Selbstreflektierte Werteerkenntnis ermöglichen.